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Karin Kattwinkel
Akademie für ganzheitliche Pferdegesundheit
Karin Kattwinkel & EQUO VADIS

Trageschwäche beim Pferd erkennen: 10 Anzeichen, die Du ernst nehmen solltest

12. Sept.
4 Min. Lesezeit

Viele Pferde zeigen Auffälligkeiten, die wir im Alltag längst als normal akzeptiert haben: Der Sattel rutscht immer wieder zu einer Seite, das Pferd läuft auf einer Hand schlechter, stolpert häufiger oder hat Schwierigkeiten, rückwärtszurichten. Vielleicht verändert sich die Muskulatur, der Rücken wirkt fest oder die Hufe entwickeln sich unterschiedlich.

Oft werden diese Dinge einzeln betrachtet. Doch sie können miteinander zusammenhängen.


Trageschwäche beim Pferd bedeutet nicht einfach, dass ein Pferd „zu wenig Muskeln“ hat. Es geht darum, ob der Körper in der Lage ist, sich selbst – und beim Reiten zusätzlich das Gewicht des Reiters – gesund zu tragen.

Je früher Du erkennst, dass Dein Pferd Schwierigkeiten mit seiner Tragfähigkeit entwickelt, desto früher kannst Du nach den Ursachen suchen und sinnvoll handeln.


Was bedeutet Trageschwäche beim Pferd?

Ein Pferd muss seinen Rumpf zwischen den Vorderbeinen stabilisieren, seinen Brustkorb tragen und die Hinterhand so einsetzen können, dass sie zunehmend Last übernimmt.

Gerät dieses Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht, beginnt der Körper zu kompensieren. Andere Strukturen übernehmen Aufgaben, für die sie eigentlich nicht gedacht sind. Solche Kompensationen können eine ganze Zeit lang funktionieren.

Genau deshalb bleibt eine beginnende Trageschwäche häufig unbemerkt.

Das Pferd läuft schließlich noch. Vielleicht lässt es sich sogar reiten. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass es seinen Körper dabei gesund benutzt.


Warum wird Trageschwäche so häufig übersehen?

Ein großes Problem ist die Gewöhnung.

Wir sehen bestimmte Körperformen, Bewegungsmuster oder Schwierigkeiten so häufig, dass wir sie irgendwann für normal halten.

Hinzu kommt: Nicht jedes Pferd zeigt dieselben Symptome. Alter, Körperbau, natürliche Schiefe, Haltung, Training, Hufe, Ausrüstung, Erkrankungen oder frühere Verletzungen können eine Rolle spielen.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur ein einzelnes Symptom zu betrachten, sondern das gesamte Pferd und die Zusammenhänge.


10 mögliche Anzeichen für Trageschwäche beim Pferd

1. Der Brustkorb sinkt zwischen den Vorderbeinen ab

Die rumpftragende Muskulatur spielt eine entscheidende Rolle für die Stabilität des Pferdekörpers. Kann sie ihre Aufgabe nicht ausreichend erfüllen, verändert sich die gesamte Statik des Pferdes.

2. Das Pferd belastet seine Vorhand stark

Viele Pferde versuchen fehlende Tragfähigkeit zu kompensieren, indem sie vermehrt Gewicht auf die Vorderhand bringen. Das kann sich sowohl im Stand als auch in der Bewegung zeigen.

3. Die Hinterhand arbeitet nicht ausreichend unter den Körper

Entscheidend ist nicht einfach, wie weit ein Hinterbein nach vorne tritt. Wichtig ist, wie die Hinterhand arbeitet und ob sie tatsächlich Last aufnehmen kann.

4. Der Rücken wirkt fest oder wenig beweglich

Ein tragfähiger Rücken muss Bewegung übertragen können. Dauerhafte Spannung oder fehlendes Mitschwingen können deshalb Hinweise darauf sein, dass im Körper etwas nicht optimal funktioniert.

5. Dein Pferd ist deutlich schief

Kein Pferd ist vollkommen gerade. Natürliche Schiefe gehört zunächst einmal zum Pferd.

Problematisch wird es, wenn sich daraus immer stärkere Kompensationen entwickeln: eine Schulter wird stärker belastet, der Brustkorb rotiert, die Hinterhand arbeitet asymmetrisch oder das Pferd weicht bestimmten Bewegungen aus.

6. Der Sattel rutscht immer wieder auf dieselbe Seite

Natürlich muss zunächst überprüft werden, ob der Sattel selbst korrekt passt. Doch wenn er trotz passender Ausrüstung immer wieder zu einer Seite wandert, lohnt sich ein genauer Blick auf die körperliche Symmetrie und die Bewegung des Pferdes.

7. Die Hufe entwickeln sich unterschiedlich

Hufe sind nicht losgelöst vom restlichen Pferdekörper zu betrachten. Unterschiedliche Belastungen können sich auch an den Hufen zeigen.

Deshalb lohnt es sich, Veränderungen an den Hufen immer im Zusammenhang mit Haltung, Bewegung und Körperstatik zu betrachten.

8. Eine Hand oder Richtung fällt deutlich schwerer

Vielleicht lässt sich Dein Pferd auf einer Hand schlechter stellen und biegen. Vielleicht fällt ein Galopp schwerer, ein Zirkel wird auf einer Seite größer oder das Pferd weicht bestimmten Übungen aus.

Solche Unterschiede solltest Du nicht einfach mit „Das ist eben seine schlechte Seite“ abhaken.

9. Dein Pferd stolpert oder verliert häufiger die Balance

Gelegentliches Stolpern kann viele Ursachen haben. Tritt es jedoch regelmäßig auf, sollte genauer hingeschaut werden.

Balance, Körperkontrolle, Beweglichkeit und Tragfähigkeit hängen eng miteinander zusammen.

10. Training bringt trotz aller Bemühungen kaum Fortschritte

Du trainierst regelmäßig, aber Dein Pferd wird nicht stabiler? Bestimmte Probleme kehren immer wieder zurück oder verschieben sich lediglich?

Dann lohnt es sich, die Frage zu stellen:

Versuche ich gerade etwas zu trainieren, wozu der Körper meines Pferdes momentan überhaupt in der Lage ist?

Ein einzelnes Anzeichen ist noch keine Diagnose

Das ist besonders wichtig.

Keiner der genannten Punkte beweist für sich allein eine Trageschwäche. Viele dieser Auffälligkeiten können unterschiedliche Ursachen haben und sollten bei Bedarf tierärztlich oder therapeutisch abgeklärt werden.

Entscheidend ist vielmehr, Muster und Zusammenhänge erkennen zu lernen.

Wie steht Dein Pferd? Wie bewegt es sich? Gibt es deutliche Unterschiede zwischen rechts und links? Wie haben sich Muskulatur und Hufe verändert? Welche Probleme treten immer wieder auf?

Je besser Du beobachten kannst, desto fundierter kannst Du entscheiden, was Dein Pferd tatsächlich braucht.

Warum einfach mehr Training nicht unbedingt hilft

Wenn ein Pferd körperlich kompensiert, ist „mehr Training“ nicht automatisch die richtige Antwort.

Bevor Du Tragkraft aufbauen kannst, musst Du verstehen, warum Dein Pferd seinen Körper so benutzt, wie es ihn benutzt.

Manchmal müssen zunächst körperliche Voraussetzungen geschaffen und bestehende Probleme behandelt werden. Erst danach kann ein sinnvoll aufgebautes Training folgen.

Genau deshalb trennen wir bei EQUO VADIS bewusst zwischen Therapie und anschließendem Training.

Was kannst Du selbst tun?

Der wichtigste erste Schritt kostet nichts:

Schau Dein Pferd bewusst an.

Nicht nur beim Reiten.

Beobachte es im Stand, beim Führen und in unterschiedlichen Bewegungen. Vergleiche beide Körperseiten. Achte auf Muskulatur, Brustkorb, Rücken, Hinterhand und Hufe. Beobachte Veränderungen über einen längeren Zeitraum.

Und vor allem: Lerne zu verstehen, was Du siehst.

Denn Wissen gibt Dir die Möglichkeit, Auffälligkeiten früher wahrzunehmen, gezieltere Fragen zu stellen und gemeinsam mit Tierärzten, Therapeuten, Hufbearbeitern oder anderen Fachleuten fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Vom Erkennen zum Handeln

Genau hier setzt unser Onlinekurs „Teil 1: Trageschwäche beim Pferd – Therapieplan mit Konzept“ an.

Du lernst die Zusammenhänge kennen, typische Anzeichen besser einzuordnen und zu verstehen, was im Körper eines trageschwachen Pferdes passiert.

Ist die therapeutische Grundlage geschaffen, geht es in Teil 2: Trageschwäche Pferd Training – Trainingsplan mit System darum, Tragkraft sinnvoll aufzubauen und das Pferd Schritt für Schritt wieder an gesundes Training heranzuführen.

Und weil Schiefe und Trageschwäche häufig miteinander verbunden sind, beschäftigen wir uns in Teil 3: Schiefe beim Pferd und Trageschwäche ausführlich mit diesem Thema.

Wissen verändert Deinen Blick auf Dein Pferd

Mein Ziel ist nicht, dass Du hinter jedem kleinen Problem sofort eine Erkrankung vermutest.

Ganz im Gegenteil.

Ich möchte Dir das Wissen vermitteln, mit dem Du frühzeitig erkennen kannst, was Deinem Pferd fehlt, fundierte Entscheidungen triffst und vor allem selbst aktiv werden kannst.

Denn je mehr Du verstehst, desto genauer kannst Du hinschauen.

Pferde heilen = Wissen teilen.


 
 
 

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